„MUSICK FOR DISTRACTED TIMES“

Englische Bläsermusik zur Zeit der Stuarts

Dieses Konzertprogramm steht ganz im Zeichen der bewegten englischen Geschichte des 17. Jahrhunderts.
1649, anlässlich des dramatischen Höhepunkts vom englischen Bürgerkrieg, nämlich der öffentlichen Hinrichtung des König Charles I., komponierte Thomas Tomkins aus einem Gefühl tiefer Beklommenheit heraus die „Sad Pavan for these distracted times“ (traurige Pavane für verwirrte Zeiten). 

Im darauffolgenden Commonwealth unter Cromwell wurden zwar Hof- und Kirchenmusik komplett abgeschafft, Musik war aber nicht grundsätzlich verboten. Wichtige Aufführungen erster englischer Musiktheaterwerke von Matthew Locke fallen in diese Epoche. Nach der Wiederherstellung der Krone unter Charles II. 1660 (Restoration) avancierte Locke zum Günstling des Königs und erhielt eine führende Rolle in der Hofmusik.
Unter dem zunehmenden Einfluss ausländischer und besonders französischer Musiker am englischen Hof wurden auch neue Instrumente vorgestellt. So befand sich unter den Neuankömmlingen auch ein Ensemble an hervorragenden französischen Oboisten und Flötisten rund um Jacques Paisible, die der Oboe zu großer Beliebtheit in England verhalfen.

Andere Instrumente wie die Gambe oder die Blockflöte hatten in England v. a. unter Gentlemen-Amateurs schon seit längerem großen Zuspruch. Besonders beliebt waren die Musikdrucke mit „Divisions“, Sammlungen von bekannten Melodien und Liedern mit zahlreichen Variationen.

Auch James II. engagierte internationale Komponisten und Instrumentalisten in seiner Hofkapelle, wie etwa den Cembalisten Giovanni Battista Draghi und den aus Mähren stammenden Gottfried Finger.
Nach James’ Sturz bot ihm Louis XIV. eine Exil-Unterkunft unweit von Versailles an. James’ Flucht wurde von Nicolas Derosier in seiner programmatischen Suite „Die Flucht des Königs“ bildhaft vertont. Auch an seinem Exilhof verfügte James über eine exzellent bestellte Hofkapelle, deren Leiter, Innocenzo Fede, auch einige ausgezeichnete Blockflötensonaten hinterließ.

Im Zuge der „Glorious Revolution bestieg James’ Tochter Mary II. mit ihrem Ehemann Wilhelm von Oranien den englischen Thron. Die beliebte Königin Mary diente als Vorlage für die 1692 entstandene Semi-Opera „The Fairy Queen“ von Henry Purcell.

1702 wurde ihre Schwester Anne zur letzten Stuart-Königin gekrönt. In ihrer Hofmusik brillierte dieselbe Gruppe von französischen Oboisten rund um Jaques Paisible, die bereits als Unterhaltungsensemble für die Mätresse von Charles II. gedient und bei Queen Marys Begräbnis einen Funeral March geblasen hatte.

Thomas Tomkins:
„A Sad Pavan for these distracted times“ für Cembalo solo

Matthew Locke:
Suite No. 4 in C für 2 Blockflöten und Basso continuo

Giovanni Battista Draghi:
Mr Baptist of France his Ground Ciaconne für 2 Oboen und Basso continuo

Gottfried Finger:
Sonata VIII für Blockflöte, Oboe und Basso continuo

Nicolas Derosiers:
„La fuitte du Roy d’Angleterre“ Suite für 2 Flöten/Oboen und Basso continuo

PAUSE

Innocenzo Fede:
Sonata für Blockflöte und Basso continuo

Henry Purcell:
Auszüge aus „The Fairy Queen“ für 2 Oboen/Blockflöten und Basso continuo

Thomas Tollett:
The Queen’s Farewell in 3 parts

Jacques (auch James) Paisible:
Suite for Queen Anne

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