FAMILIENBANDE

 

Zu Besuch bei Johann Sebastian Bach

 

Barocke Sonaten, Trios und Quartette von Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach, Gottfried Heinrich Stölzel, Wilhelm Friedemann Bach, Johann Friedrich Fasch und Johann Christian Bach.

 

 

Bereits zu Lebzeiten verfügte Bach über einen außerordentlichen Ruf; er galt als Schöpfer tiefschichtiger und kontrapunktisch komplexester Werke, aber auch als erstaunlicher Improvisator und Cembalo- und Orgelvirtuose.

 

Das Programm „Familienbande“ widmet sich dem schöpferischen Werk von Johann Sebastian Bach und  seinen komponierenden Söhnen, sowie auch Werken von der Familie nahestehenden Komponistenpersönlichkeiten. Die aufgeführten Werke haben allesamt einen Bezug zum Familienleben der Großfamilie Bach – sei es eine Clavier-Sonate, die der junge Johann Sebastian seinem Bruder zum Abschied widmete, oder diverse Kompositionen, die er für seine Frau und seine Kinder zum häuslichen Musizieren, für öffentliche Anlässe oder didaktische Zwecke verfasste.

 

Carl Philipp Emanuel war von allen Söhnen Bachs der berühmteste. Er wurde von seinem Paten Georg Philipp Telemann gefördert und wurde schließlich mit dem renommierten Amt des städtischen Musikdirektors von Hamburg betraut.Er war der bedeutendste Vertreter des neuen, modernen „Empfindsamen Stils“. Die Pastorale für Oboe, Fagott und Basso Continuo wird uns die feinsinnigen Gefühle dieses Stils vermitteln.

 

Wilhelm Friedemann, der älteste Bach-Sohn, hatte vermutlich eine zwiespältige Beziehung zu seinem berühmten Vater. Friedemanns sehr ausgefallener Kompositionsstil lässt das heutige Publikum spekulieren, ob er sich so vom väterlichen Vorbild abgrenzen wollte. Denn Johann Sebastian Bach war, ganz im Selbstverständnis jener Zeit, natürlich auch der Musik- und Instrumentallehrer seiner Kinder. Der erste väterliche Musikunterricht ist durch das „Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach“  belegt, aus dem auch ein Stück bei unserem Konzert erklingen wird.Ein weiteres Bach’sches „Familienkompendium“ ist das „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“, für Bachs zweite Frau, die hervorragende Sängerin Anna Magdalena Wilcken, die er ein Jahr nach dem plötzlichen Ableben seiner ersten Frau heiratete. Das „Notenbüchlein“ wurde vom Ehepaar gemeinsam zusammengestellt und besteht aus Klavier- und Gesangswerken von Bach und anderen Autoren.Die darin enthaltene Arie von G. H. Stölzel „Bist Du bei mir“ beschreibt auf innigste Weise den Wunsch, im Moment des Todes die Geliebte bei sich zu haben und wird bei unserem Konzert vorgetragen werden.

 

Mit Johann Christian Bach, auch Mailänder oder Londoner Bach genannt, verweist das Konzertprogramm schon in Richtung Frühklassik. Der jüngste Sohn von Johann Sebastian und Anna Magdalena folgte 1750 seinem Bruder Carl Philipp Emanuel nach Berlin, der ihn zu einem vorzüglichen Pianisten ausbildete. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Mailand ließ sich Bach schließlich in London nieder, wo er u. a. auch als äußert erfolgreicher Konzertunternehmer tätig war.In London traf er auch mit der Familie Mozart zusammen. Vater Leopold empfahl danach seinem Sohn die Kompositionen Bachs ausdrücklich zur Nachahmung. Bachs Einfluss auf Mozart dürfte auch heute erst in Ansätzen zu erkennen sein. „Der gute Satz, und die Ordnung, il filo – dieses unterscheidet den Meister vom Stümper!“ lobt der junge Mozart den Londoner Bach in einem Brief an seinen Vater.

 

 

Gottfried Heinrich Stölzel: (Grünstädtel, 1690 – Gotha, 1749):
Sonata a 4 per Hautbois, Violino, Basson e Basso
                       
Johann Sebastian Bach (Eisenach, 1685 – Leipzig, 1750)
Sonata à tre BWV 527


Wilhelm Friedemann Bach (Weimar, 1710 – Berlin 1784):
Trio H-Dur BR-WEB B-Inc. 19 für Violine und Cembalo

Joh. Seb. Bach:
Capriccio sopra la lontananza de il fratro dilettissimo („Capriccio über die Abreise des sehr beliebten Bruders“)BWV 992  Cembalo solo                                


Joh. Seb. Bach/Gottfried Heinrich Stölzel:
Aria „Bist du bei mir“ BWV 508
aus dem „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“, Leipzig 1725

Invention à 3 BWV 791
aus dem „Clavier-Büchlein vor Wilhelm Friedemann Bach“, Köthen 1720


PAUSE


Georg Philipp Telemann (Magdeburg, 1681 – Hamburg, 1767):
Concerto per oboe, violino, viola da gamba e basso


Carl Philipp Emanuel Bach (Weimar, 1714 – Hamburg, 1788):
Pastorale für Oboe, Fagott und Basso continuo für Oboe, Fagott und B. c.


Johann Christian Bach (Leipzig, 1735 – London, 1782):
Quintett für obligates Cembalo, Oboe, Violine, Viola und B. c. op. 22 Nr. 2 (London, ca. 1780)

Johann Friedrich Fasch (Buttelstedt, 1688 – Zerbst, 1758):
Sonata für Oboe, Violine, Fagott und Basso Continuo FaWV N: F4
(Zerbst, ca. 1750)