Im empfindsamen Stil

Kammermusik aus der Zeit des Sturm und Drang

Musik von Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Gottlieb Janitsch, Carl Friedrich Abel und Johann Christian Bach

 

Durch die Wirkung der subtilen Musik im Empfindsamen Stil erlangt man förmlich einen Einblick in die stürmische Seele des jungen Werther bzw. der Werther-versessenen Menschen einer ganzen Epoche.



Unter Empfindsamkeit versteht man eine hauptsächlich norddeutsche Ästhetik des mittleren 18. Jahrhundert, die intimen, subjektiven Ausdruck in den Vordergrund stellt, und deren Wesenszüge als Empfindsamer Stil in der Musik ihre Ausprägung finden.

 

Der Komponist, der diesen Stil am besten verkörpert, ist Johann Sebastian Bachs berühmtester Sohn Carl Philipp Emanuel, dessen Geburtstag sich 2014 zum 300sten mal jährt. In seinem Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen (1753) behauptet er, dass die Hauptaufgabe der Musik darin bestehe, das Herz der Zuhörer zu bewegen und es darum notwendig sei, „aus der Seele [zu] spielen, und nicht wie ein abgerichteter Vogel.“

 

Die Tonsprache des empfindsamen Stils ist subjektiv gefühlsbetont und unmittelbar, mit einfacherer Satztechnik und verlangsamtem harmonischem Rhythmus, was als Reaktion auf den strengen, gelehrten Stil gilt. Typische Stilmittel sind lombardische Rhythmen, Vorhaltsbildungen und Seufzermelodik.

 

Oft war der Empfindsame Stil kaum vom internationalen Idiom des Galanten Stils zu unterscheiden, der sich ebenfalls von komplizierter Polyphonie abwandte und eine schlichte, verständliche Natürlichkeit und Kantabilität anstrebte. Der größte Unterschied bestand wohl darin, dass die Norddeutschen ausufernde Verzierungen stets vermieden und davor warnten. Ein wichtiges rhetorisches Mittel war das „redende Prinzip“, das Bach vor allem in instrumentalen Rezitativen anwendete, wie etwa in seinem Trio „Gespräch zwischen einem Sanguineus und Melancholicusvon 1749.



PROGRAMM:


Johann Gottlieb Janitsch (Schweidnitz, 1708 – Berlin, um 1763):
Sonata da camera op. 4 für Oboe, Violine, Viola und Basso continuo
„Quatuor con. Melodia 2.adagio O Haupt voll Blut und Wunden“
Largo – Allegretto – Adagio Melodia: O Haupt voll Blut und Wunden - Vivace


Carl Philipp Emanuel Bach
(Weimar, 1714 – Hamburg, 1788):
Zwölf Variationen über La Folia d’Espagne, H 263, Wq. 118/9
für Cembalo solo

C. Ph. E. Bach:
Sonata I a 2 Violini e Basso H.579, Wq.161,1
„Gespräch zwischen einem Sanguineus und Melancholicus“
Allegretto-Presto-Adagio - Allegro

Carl Friedrich Abel (Köthen, 1723 – London, 1787):
Viola da gamba solo in d, WKO 208 in d
aus dem Drexel-Manuskript


Johann Christian Bach (Leipzig, 1735 – London, 1782):
Quartetto II op. 8 T 306,3 für Oboe, Violine, Viola und Basso
Largo – Allegro con Spirito